Das Leben

Ernst-Ludwig Kirchner wurde 1880 als Sohn eines Professors für Papierwissenschaften in Aschaffenburg geboren. Schnell erkannte er seine Liebe zur Kunst, er beschloss jedoch 1901 zunächst, in Dresden Architektur zu studieren.
Dort gründete er auch nach Abschluss des Studiums mit seinen Kommilitonen die Künstlervereinigung “Die Brücke” und widmete sich nun der Malerei, Zeichnung und Druckgrafik. Inspiration bot ihm die Natur, in die er sich regelmäßig zurückzog. Ausdrucksstarke farbige Bilder entstanden, deren zentrales Thema der weibliche Akt war. Die folenden Jahre waren von Ausstellungen der Gruppe, aber auch von Reisen u.a. nach Fehmarn und an die Morizburger Seen geprägt.

1911 zog die Gruppe geschlossen nach Berlin um, wo er zusammen mit Pechstein das MUIM-Institut (Moderner Unterricht in Malerei) gründete. Sie wollten nun ihre neu gewonnenen Erkenntnisse und Ansichten weitervermitteln. Die Schule löste sich jedoch schnell wieder auf, da sie nicht genügend Schüler anzog. Kirchner fand vermehrt Interesse an der Anfertigung von Holzschnitten, welche z.B. in der Zeitschrift “Der Sturm” veröffentlicht werden. 1912 machte die Gruppe Bekanntschaft mit einer anderen Künstlergruppe “Blauer Reiter” und beteiligte sich sorar an einer Ausstellung in München. Kirchner lernte seine langjährige Lebensgefährtin Erna Schilling kennen und verfasste schließlich 1913 die “Chronik der Brücke”, die das Ende der Vereinigung einleitete. Seine berühmten Großstadtbilder sind der Anfang einer neuen Karriere als “Solo-Künstler”. Nach einem Kurzen Kriegsdienst, zu dem er sich 1915 “unfreiwillig freiwillig” meldete, litt er an Nervenzusammenbrüchen und psychischen Erkrankungen, von denen er sich nur schwer erholte. Er hielt sich in verschiedenen Sanatorien auf, in denen ihm die Abhängigkeit von Schlafmitteln, Alkohol und Morphium diagnostiziert wurde. Nach dieser traumatischen Zeit verließ er nach und nach sein Heimatland. Die Krankheit beeinflusste ihn auch Körperlich, so litt er nicht nur an Bewusstseinsstörungen, sonder auch an Lähmungen seiner Gliedmaßen. Er fertigte in der Zeit vor allem druckgrafische Bilder und Zeichnungen.

1918 ließ er sich entgültig im schweizerischen Davos nieder. Dort lebte er in einem Bauernhaus mitten in den Alpen. Die Bergwelt wurde zu seiner wichtigsten Inspirationsquelle. Seine Lebensgefährtin Erna sandte ihm aus Berlin seine Werke zu, um das Berliner Atelier zu räumen und dort einen Schlussstrich ziehen zu können. In Davos begann er mit der teilweisen Restauration aber auch Übermalung seiner frühen Bilder, um Abstand von ihnen zu gewinnen. Trotzdem hielt er den Kontakt nach Deutschland. Die meisten Ausstellungen hielt er nun aber in der Schweiz ab.

1926 reiste er erstmals wieder nach Deutschland und besuchte gleich mehrere Städte nacheinander. 1927 lernte Kirchner den Direktor des Museums Folkwang in Essen kennen. Mit ihm zusammen überlegte er, den Festsaal mit Wandmalereien zu gestalten. Mit den Entwürfen für dieses Projekt war er von nun an beschäftigt und scheinbar auch recht glücklich. Insgesamt waren die späten 20er Jahre mit vielen Ausstellungen und der Teilnahme an der Biennale in Venedig die erfolgreichsten seines Lebens. Sein neues Zuhause in Davos gab er jedoch nicht auf. Nur musste sich Erna Schilling v.a. aus gesundheitlichen Gründen immer öfter in Berlin aufhalten, so dass er dort recht einsam war. Anfang der 30er Jahre begann die für Kirchner lebensnotwendige Situation auf dem deutschen Kunstmarkt immer unsicherer zu werden. Hinzu kam, dass auch die Realisation der Entwürfe für das Museum Folkwang aufgrund der Entlassung des Museumsdirektors zerschlagen wurde. Dabei sah er in der Wandmalerei seine Wünsche erfüllt.

1936 wird der deutsche Künstlerbund aufgelöst, aber schon bald bekam er Angebote für Ausstellungen in den USA. Kirchner hatte wieder gesundheitliche Probleme, die mit Hilfe von Schmerzmitteln betäubt wurden. So reiste er 1937 nach Detroit und New York auf seine letzten großen Ausstellungen. Im selben Jahr wurde sein Werk von den Nationalsozialisten als “entartet” diffamiert und beschlagnahmt.

Nach weiteren schweren Erkrankungen, Ängsten und Depressionen, die schon sein ganzes Leben zeichneten, wählte er 1938 den Freitod.