Das Werk
Rückblickend gibt es neben der “Brücke”-Zeit zwei besonders wichtige Schaffensepochen im Werk Kirchners. Die “Straßenszenen” und die “Schweizer Jahre”. Die Bewältigung von Gegensätzen ist eine wichtige Eigenschaft der meisten seiner Bilder. Er verachtet den schönen Schein und versucht die Wahrheit hinter den Dingen zu sehen. In den “Großstadtszenen” portraitiert er als erster deutscher Maler das urbane Leben in einer Großstadt, z.B. mit den Bildern “Der rote Turm in Halle”. In der Schweiz rücken Magie und dämonisierte Natur in den Mittelpunkt. (“Stafelalp bei Mondschein”) Motiv ist die Bergwelt, die nun seine neue Heimat bildet. Ein Hang zur Romantik und Ähnlichkeiten zu Caspar David Friedrich werden deutlich.

“Der rote Turm in Halle”

“Stafelalp bei Mondschein”
Ab Mitte der 20er Jahre wird seine Kunst plakativer und bilderbuchartig. Er setzt sich mit physikalischen Problemen auseinander und zerlegt seine Bilder immer radikaler in Formen. Eine Parallele zu Picasso ist nicht von der Hand zu weisen. Grafiken und Holzschnitte entstehen. Dank seiner außerordentlichen Geschicklichkeit und Experimentierfreude erschuf er in seinen letzten Jahren außerdem exotische Holz-Skulpturen. Er schnitze sogar Möbel für sein Haus in Davos. Der schöpferische Prozess ist hierbei die Besonderheit: Die Entstehung einer Skulptur direkt aus dem Holz. 1937 wurde sein Werk als “entartet” diffamiert und beschlagnahmt. Es wird teilweise ins Ausland verkauft und zerstört.
