Die Persönlichkeit
Kirchner ging schon früh eigene Wege, da er immer mit Inspiration und Anregungen umzugehen wußte und sie schnell mit seinem eigenen Wesen verschmelzen ließ. So entfernte sich auch schnell von dem, was man als “deutschen Expressionismus bezeichnete”. Als seine Vorbilder galten unter anderem Gaugin und van Gogh. Er bemühte sich jedoch, sich jeder Etikettierung zu widersetzen.
Seine Persönlichkeit stand ständig unter Spannung, was er durch seinen nervösen Pinselstrich auf die Leinwände brachte. Leider äußerte sich dieses Merkmal auch durch mehrere Nervenkrisen. Schwerwiegend für seine Psyche waren sicherlich die beiden Weltkriege und der Terror, dem er durch die Nationalsozialisten ausgesetzt war. In seinem Werk erkennt man früh eine Endzeitstimmung, die sich durch barbarische und angespannte Szenerien und bewusste Primitivität bemerkbar macht.
Seine späten Bilder besaßen dagegen eine nie da gewesene Heiterkeit, die seine Betrachter irritierte. Und wirklich, vergegenwärtigte man sich seinen wahren Zustand, zweifelte man an der Aussage der Bilder: Er litt an einer Darmerkrankung und wurde von Todesahnungen geplagt. 1937 schrieb er noch: “Habe viel vor im Sommer, vielleicht ist es mein letzter?” Und er behielt Recht.
